Reihe Finanzialisierung – Unternehmen, Wirtschaftskultur und betriebswirtschaftliches Denken in Deutschland: Ein historischer Abriss

Dr. EngelHabilitant am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Studierte Geschichte, Mathematik und Informatik an der Georg-August Universität Göttingen, wo er im Jahr 2007 promoviert. Es folgen Forschungsaufenthalte in New York, Chicago und Washington, bis er 2010 zum Akademischen Rat (auf Zeit) am Institut für Wirtschaft- und Sozialgeschichte der Universität Göttingen berufen wird. Ein weiterer Forschungsaufenthalt führt Ihn von 2011 bis 2012 an das Center for European Studies der Harvard University.

Rheinischer Kapitalismus, Soziale Marktwirtschaft, Deutschland AG, Land der Kartelle, Land des Mittelstands: Diese und andere Konzepte weisen auf deine Wahrnehmung hin, nach der Kapitalismus, Unternehmenslandschaft und Wirtschaftskultur in Deutschland spezifische Formen angenommen haben, die oftmals scharf gegen angelsächsische Modelle abgegrenzt wurden und werden. Dies gilt jüngst wieder im Kontext der Debatte um Finanzialisierung und Shareholder-Value-Orientierung von Kapitalmarktgesellschaften. Der Vortrag spürt der Entstehung jener spezifischen Formen und der unternehmenshistorischen Entwicklung seit dem späten 19. Jahrhundert, besonders seit 1945 bis in die 1990er Jahre nach. Dabei werden verschiedene einschlägige Debatten beleuchtet – gerade auch jene um die Zukunftsfähigkeit des ‚deutschen Modells‘. 

Dies liefert den Hintergrund und Kontext für eine spezifische Beschäftigung mit der Geschichte des betriebswirtschaftlichen Denkens in Deutschland: Welche Leitbilder und Ideen haben die theoretische Beschäftigung mit Unternehmen und ihrer Tätigkeit in Deutschland geprägt? Welche Perspektiven und Maximen hat die Betriebswirtschaftslehre entwickelt? Das Augenmerk gilt der institutionellen Entwicklung des Fachs, den sich verändernden Felder der Betriebswirtschaftslehre, der Einbettung in die internationale Forschungslandschaft und der gesellschaftlichen Bedeutung und Position von Betriebswirten und Betriebswirtschaftslehre im Wandel der Zeit. Ist das deutsche betriebswirtschaftliche Denken durch die spezifischen Formen der deutschen Wirtschaftskultur geprägt, und ist es umgekehrt selbst prägende Kraft?