Zwischen Freihandel und Wirtschaftsnationalismus

350 Zuschauerinnen und Zuschauer folgten der Diskussion zwischen Jürgen Trittin, Prof. Stephan Klasen und Dr. Bettina Rudloff am Mittwoch Abend am Göttinger Campus. Zentrale Themen der Debatte waren Freihandel als Möglichkeit zur Wohlstandsförderung und die Abgrenzung zu Alternativen. Die Gruppe Kritische Wirtschaftswissenschaften hatten zur Veranstaltung eingeladen.

Als Abschluss der Ringvorlesung „Heterodoxie in der VWL“ diskutierten Mitglieder der Gruppe und das Publikum mit dem Göttinger Entwicklungsökonomen Stephan Klasen, der Agrarökonomin Bettina Rudloff von der Stiftung Wissenschaft und Politik und Jürgen Trittin, MdB für Bündnis 90/Die Grünen. Insbesondere in Anbetracht der Alternativen sprachen sich alle drei für eine Stärkung des Außenhandels aus. Vor allem regelgebundene Handelsbeziehungen im Sinne des GATT-WTO Prozesses könnten armen Ländern Möglichkeiten zur Besserung des Wohlstandes eröffnen. Bei der Frage nach der explizit deutschen Rolle in Bezug auf globale Handelsungleichgewichte verwiesen die DiskussionsteilnehmerInnen darauf, dass nunmehr die Europäische Union dafür zuständig sei. In einem Punkt könne jedoch auch die Bundesregierung den Prozess begleiten: Investitionen in Infrastuktur könnten hierzulande nicht nur das Lohnniveau bei gleichbleibender Wettbewerbsfähigkeit heben, sondern gleichzeitig insbesondere anderen europäischen Ländern Möglichkeiten zu wirtschaftlichem Wachstum geben. Dabei verwies Prof. Klasen auch auf seine Ausführungen zu keynesianischen IS-LM Modellen in seinen Grundlagenvorlesungen.

Podiumsdiskussion Jan17
Voller Hörsaal bei der Podiumsdiskussion: Etwa 350 Interessierte folgten der Veranstaltung und beteiligten sich durch Wortbeiträge.

Herr Trittin blieb insbesondere beim Thema ökologischer Wirtschaftsgestaltung standhaft. Alle drei waren sich im Ausblick auf die Verschiebungen im globalen Handel nach den US-Wahlen einig: Es könnte sich eine ganz neue geopolitische Situation mit einem noch stärker auftretenden China als möglichem Handelspartner für die EU auftreten. Denn, wie Trittin sagte, teile er mit Donald Trump keinerlei Werte. Dies sei jedoch auch bei China nicht anders. Ein erstarkender Wirtschaftsnationalismus in den Vereinigten Staaten, jedoch auch in der Volksrepublik sei für die auf Freihandel setzende Europäische Union jedoch eine Situation, zu der erst noch eine Strategie gefunden werden müsse.

Auch im Göttinger Tageblatt fand die Veranstaltung Resonanz. Siehe hier.

Hier ein Mitschnitt der Veranstaltung: